Es ist Samstag. Stehe morgens auf und checke Mails. Erledige ein paar Dinge und lege mich wieder schlafen bis Tom 14 Uhr aufsteht und mich zwangsweise wieder weckt, weil er die Badtür zufallen lässt. Frühstücke mit ihm Zigaretten, Apfelsaft und Käse pur. Wir haben nichts anderes. Sind das gewöhnt, kommen ja aus dem Osten. Fange am Küchentisch an mein Geld zu zählen, schaffe es bis 195 Euro in bar und fühle mich furchtbar unwohl. Es ist nicht gut einem Mädchen, das chronisch pleite ist, so viel Bargeld zu geben. Ich kann damit nicht umgehen, also fahre ich auf den Ku’Damm und laufe zu C&A. Kaufe mir wahllos ein schwarzes Top mit Spagetti-Trägern, das aussieht wie mein altes schwarzes Top mit Spagetti-Trägern, nur dass bei dem neuen die Brüste verstärkt sind. Danach noch zu Covermusic. Kaufen.
Um 50 Euro ärmer und erleichterter laufe ich zur Bushaltestelle. »Bus wird umgeleitet. (Demonstration)« sagt die Anzeigetafel zu mir. Laufe also in Richtung Tauenzienstraße und steige in die U2 in Richtung Pankow. Am Nollendorfplatz wird ein grober Beat lauter als mein mp3-Player je mehr wir uns aus der Erde bewegen. Verstehe den Busausfall. Sehe bunte Schwule und Lesben. Steige aus und gucke zu. Ärgere mich, dass die Männer schwul sind. Ärgere mich auch, dass ich nicht lesbisch bin.
Danach mache ich mich auf zum Hackeschen Markt. Warte 20 Minuten. Sara ist irgendwann da. Wir gehen Asti trinken und freuen uns unserer Jobs. Später im »Bang Bang Club«. Trinke Wodka-Gingerale. Sara trinkt stilvoll Martini, glaube ich. Wir rauchen viel und reden viel, sagen den anderen Hallo und rauchen und reden weiter. Das Konzert ist großartig. Ich bin gut gelaunt und torkele betrunken nach Hause.
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Verloren im Wind laufe ich mit meiner Fee durch eine mir bekannte unbekannte Stadt. Sie zeigt mir die Schauplätze des Alltagswahnsinns. Wo sich das Leben an seinen Spielern rächt. Selbstmord der Konsumgesellschaft an jeder Ecke. Die sterbenden Körper vergiftet von Fast Food und Schnelllebigkeit.
Wir steigen in die 14, um uns an noch unbekanntere Orte zu bringen. Eine Hochburg des positiven Wahnsinns inmitten eines Irrenhauses.
Wir steigen aus und irren weiter mit dem gemeinsamen Ziel vor Augen. Ein Schaufenster als Einblick in die Popkultur. Körper die sich berühren und schwitzend aus verschlafenen Augen mit Tunnelblick mich und meine Fee begutachten. Wir werden von ihnen aufgenommen
Willkommen in der realen Unwirklichkeit. Bewusstsein, Baby. Verständnis, Schätzchen. Erkenntnis, Darling. Wir erinnern uns daran zu vergessen und bitten die Erinnerung zu uns zu sprechen.
Eine Tür weiter: Stille. Die neue Kultur, Architektur. Innen wie Außen. Nur herein. Meine Fee und ich trinken uns exzessiv in farbige Welten, gehalten in schwarz-grau. Wir inhalieren giftige Gase um uns noch mehr zu betäuben.
Nächste Szene: Ich ohne meine Fee. Ich trinke, rede, rauche, küsse, gehe.
Wodka und Weltstädte. Unter regengrauen Wolken eines totgeschwiegenen Morgens erwachen matte Erinnerungen an den tot geglaubten Abend, an dem ich alleine mit einer Weltstadt Küsse tauschte. Zwischen Plastikbechern und Wodkaflaschen und Weingläsern und Zigarettenschachteln. In den Augenblicken als meine Augen die Last des Tages nicht mehr tragen konnten sangen The Smiths ihre Lieder vor Anzugträgern und mussten trunken erkennen, dass Punk in jeder Form im Dezember zu Grabe getragen wurde. Viel später als man dachte, aber tot geglaubte Leben länger.
Ich gehe. Verlorene Miss im Wind Richtung Wirklichkeit. Wahnsinnslos, verrückt nach Hause.